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Denkfehler beim Problemlösen – Irren ist menschlich

Obwohl die Methoden, die ich den Teilnehmern meiner Workshops vermittle in erster Linie auf das Lösen technischer Probleme abzielen, bin ich immer bemüht auch aufzuzeigen, dass diese Methoden auf Probleme jeglicher Art anzuwenden sind.

In den Weihnachtsferien habe ich nach einer Weile wieder Zeit für Bücher gefunden.

Ich habe Rolf Dobellis „Die Kunst des klaren Denkens“ nochmals ganz gelesen. Das Buch hatte ich mir schon vor einiger Zeit am Flughafen gekauft und dann, nachdem es mir ein paar Kapitel lang die Wartezeit auf den Anschlußflug verkürzt hatte, ins Bücherregal zu all den Büchern gestellt, die einmal zu Ende gelesen werden sollen.

Ich wollte mehr über die Denkfehler erfahren, die dazu führen, dass selbst klügste Menschen falsche Entscheidungen treffen bzw. Probleme völlig verkehrt behandeln. An Manches aus dem Buch konnte ich mich noch erinnern. Anderes kannte ich so ähnlich schon aus anderen Büchern und aus Vorträgen. Wer sich da von wem die Inspirationen geholt hat, werde ich nie herausfinden. Mir hat das kurzweilige Buch sehr gut gefallen, weil Dobelli eines sehr deutlich herausstreicht. Die Ursache dieser Denkfehler liegt nicht am einzelnen Individuum. – Es liegt in uns Menschen.

Was aber haben die im Buch beschriebenen Denkfehler mit Problemlösung zu tun? Meiner Meinung nach: Alles!

Obwohl die verschiedenen Problemlösungsprozesse unterschiedliche Gliederungen und Namen für die einzelnen Prozessschritte kennen, folgen auf das Wahrnehmen und Analysieren des Problems immer eine Diagnose und danach auf dieser Diagnose basierende Abstellmaßnahmen. Dann werden Maßnahmen umgesetzt und schließlich wird überprüft, ob das Problem beseitigt werden konnte.

Passieren bei der Diagnose dann aber Denkfehler, führt das zur Auswahl von Maßnahmen, die wahrscheinlich nicht die optimalen sind. Dann muss der Problemlösungsprozess in eine weitere Runde Analyse-Diagnose-Maßnahme-Überprüfung gehen. Und wie beim Biathlon, der in den Winterferien auch immer im Fernsehen läuft, hat niemand Lust auf eine zusätzliche Runde.

Ein Denkfehler, den Dobelli gleich mehrere Kapitel widmet ist der „Confirmation Bias“ der Bestätigungsfehler.

Diesen Fehler habe ich schon sehr oft gesehen und auch ich selbst bin früher mehrfach in diese Falle getappt. Hierbei geht es um die menschliche Neigung Informationen so zu deuten, dass diese die eigenen Erwartungen bestätigen. Dabei werden unbewusst Fakten verzerrt und Beobachtungen, die die eigene Erwartung oder Hypothese bestätigen besser bewertet, als solche die dagegen sprechen. Diese Verzerrungen wurden in den 1960er Jahren bereits Peter Watson erforscht und später dann von Anderen (auch Dobelli) aufgegriffen.

Um diesen Fehler zu vermeiden empfiehlt es sich im ersten Schritt des Problemlösungsprozesses (Analyse) alle Beobachtungen möglichst genau und unvoreingenommen zu dokumentieren und zu diesem Zeitpunkt noch keine Annahmen zu treffen. Annehmen – englisch to assume ist nämlich schon der nächste Fehler. Ich habe vor Jahren in einer Schulung ein englisches Wortspiel gehört, dass ich zum Abschluss gerne mit Ihnen teilen mochte: „To ASSUME makes an ASS out of U and ME“

Das kurzweilig und nachvollziehbare geschriebene Buch beschreibt noch viele weitere Denkfehler, die auf Problemlösungen angewendet werden können. Ich bin gerade dabei die Nachfolgeratgeber zu lesen.

Bewußtes Wahrnehmen von Problemen und Fehlern kann trainiert werden. Und aufmerksames Dokumentieren ist immer eine gute Basis für die Fehlerbeseitigung.

 

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